Studium

(aus: http://www.hebammenwiki.de/index.php?title=Ausbildung_und_Studium)

Die Ausbildung von Hebammen auf akademischem Niveau anzubieten, wird auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene diskutiert und reguliert.

International: Stärkung der Profession

Die Weltgesundeheitsorganisation (WHO) (Europa) in Kooperation mit den Gesundheitsministern der unterzeichnenden Länder, hat für Hebammen (und Pflegende) in der Erklärung von München im Jahr 2000 eine Stärkung deren Berufes gefordert um unter anderem sicherzustellen, dass deren akademische Aus- und Weiterbildung verbessert wird (WHO Europe 2000). Eine Analyse über die Umsetzung der Erklärung von München zeigte jedoch große Unterschiede in der Umsetzung der Ausbildung von Hebammen auf tertiärem Niveau im Europäischen Raum der WHO auf (WHO Europe 2004).

Europäische Union: Mobilität, Kooperation und Wettbewerbsfähigkeit

Kooperative Anstrengungen in der EU betreffen vor allem den freiem Verkehr von Gütern, Dienstleistungen und Personen (Commission of the European Communities 2007).

Zur Förderung der Mobilität und arbeitsmarktbezogenenn Qualifizierung der Bürger wurde 1999 bei der Unterzeichnung der Erklärung von Bologna die Einführung eines Systems von leicht vergleichbaren Abschlüssen und eines zweistufigen Systems von Studienabschlüssen (undergraduate/graduate) beschlossen. In Deutschland entstand daraus das Bachelor/Master System.

Eine weitere Richtlinie 2005/36/EG reguliert seit 2005 auch die gemeinsame Anerkennung der berufsqualifizierenden Abschlüsse. Darin wird zugrunde gelegt, dass „Selbstständige oder abhängig Beschäftigte einen Beruf in einem anderen Mitgliedstaat als dem ausüben können, in dem sie ihre Berufsqualifikationen erworben haben. Ferner sieht Artikel 47 Absatz 1 des Vertrag(s) zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft vor, dass Richtlinien für die gegenseitige Anerkennung der Diplome, Prüfungszeugnisse und sonstigen Befähigungsnachweise erlassen werden“ (Das Europäische Parlament und der Europäische Rat 2005, S.1).

Deutschland: Entwicklung von Modellen

Die Ausbildung von Hebammen wird durch die „Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Hebammen und Entbindungspfleger“ (HebAPrV) geregelt, die bisher eine dreijährige, duale, nicht-akademische Ausbildung vorsah (Bundesgesetzblatt 1981, Fleming and Milde 2000, Zoege 2002) und durch den Pflegesatz finanziert wurde (Sozialgesetzbuch XI 1995). Seit Jahren wird die Anhebung der Hebammenausbildung auf akademisches Niveau gefordert. Birte Luther (2007) fordert, dass die grundständige Hebammenausbildung auf das Hochschulniveau (Bachelor) angehoben werden soll. Dies eröffne den Hebammen den Weg aus der Bildungssackgasse und fördere den Anschluss an die EU. Weiterhin sollten qualifizierte Hebammen ein Masterstudium anschliessen können.

Zum Wintersemester 2008/2009 bot die Fachhochschule Osnabrück erstmalig ein Bachelor of Science in Midwifery – Studienprogramm für Hebammen an. Ein Jahr danach startete die Medizinische Hochschule einen non-konsektutiven Europäischen Masterstudiengang für Hebammenwissenschaft. Die Hochschule für Gesundheit in Bochum bietet seit dem Wintersemester 2010/2011 einen grundständigen Bachelorstudiengang „Hebammenkunde“ an.

Die HebAPrV wurde im September 2009 zuletzt mit der s.g. „Modellklausel“ ergänzt, die es nun Hochschulen ermöglicht, die Ausbildung von Hebammen in wissenschaftlich begleiteten Modellstudiengängen zu erproben (Bundesgesetzblatt 2009).

Der Pädagogische Fachbeirat des Deutschen Hebammenverbandes hat für die Ausbildung an Hochschulen ein modularisiertes Kerncurriculum entwickelt (DHV 2010).